Produktverliebtheit: Die Teilnehmer des Multi Level Systems müssen sich, wie alle guten Verkäufer, mit dem Produkt identifizieren. Sie müssen das Produkt lieben, auch dann, wenn es nur ein Putzmittel ist. Wer sich nicht selbst verkauft, verkauft überhaupt nicht. Dies ist eine Grundregel jedes erfolgreichen Verkaufens.
Alleinstellungseffekt: Wegen der hohen Provisionskosten sind direkte Vergleiche mit Konkurrenzprodukten zu verhindern. Da Multi Level Marketing zumeist in Privatwohnungen stattfindet, ist dies relativ leicht zu erreichen. Haushaltsprodukte und Finanzdienstleistungen werden ferner häufig durch imaginäre oder stark übertriebene Sondereigenschaften gegen Konkurrenzprodukte und Vergleiche immunisiert, um Käufe zu motivieren. Besonders Waschmittelhersteller aller Art verstehen es immer wieder, ihren Kunden weiszumachen, daß kleinere Brötchen besser sättigen, was die Existenz der vielen Ultra-, Micro-, Hyper-, Super- oder Mega-Waschmittel eindrucksvoll beweist. Daß der Gehalt an waschaktiven Substanzen in Deutschland durch das Wasch- und Reinigungsmittelgesetz (WRMG) gesetzlich vorgeschrieben ist, und sich in nicht zu dem der "herkömmlichen Pulver" unterscheidet, darf der Kunde natürlich nicht wissen. Der Betrug mit den sog. Waschkarten (Laundry Discs) ist das krasseste Beispiel dafür, daß dies auch mit erwachsenen Menschen offensichtlich sehr gut funktioniert.
Keine arbeitsrechtliche Bindung an Strukturmitarbeiter: Schon aufgrund der möglichen strafrechtlichen Implikationen bleiben die Veranstalter von Strukturvertrieben im Hintergrund, zumeist im Ausland. Mit Strukturmitarbeitern werden nur möglichst minimale rechtliche Bindungen, keinesfalls Arbeitsverträge eingegangen.
Fluktuation in unteren Ebenen: Da Strukturmitarbeiter regelmäßig ihren Bekanntenkreis bearbeiten ("erschließen") sollen, fällt deren Verkaufszahl zumeist stark ab, wenn der Familienbedarf gedeckt ist. In diesem Fall müssen neue Mitarbeiter nachrücken. Nur wenige Strukturmitarbeiter sollen tatsächlich aufrücken.
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